Autor: Technische Abteilung Mycond
Bei Projekten zur Luftentfeuchtung gibt es einen ständigen Zielkonflikt zwischen Investitions- und Betriebskosten. Erstinvestitionen (First Cost) werden oft zulasten zukünftiger Betriebskosten (Operating Cost) minimiert. Das Grundprinzip einer wirtschaftlich effizienten Planung besteht jedoch darin, nur die minimal notwendige Feuchtemenge auf dem effizientesten Weg zu entfernen.
Die Opportunitätskosten der Untätigkeit können extrem hoch sein: Korrosion von Anlagen im Wert von Zehntausenden Euro, Produktionsstillstände von bis zu 5 000 Euro pro Tag, Qualitätsverluste. Angesichts einer typischen Lebensdauer von Entfeuchtungstechnik von 15–20 Jahren kann der kumulierte Einsparungseffekt die Erstinvestition um ein Vielfaches übersteigen.
Die Optimierung von Entfeuchtungssystemen bringt vier Kategorien wirtschaftlicher Vorteile: Senkung der Betriebskosten, geringere Investitionen in weitere Ausrüstung, Verbesserung der Produktqualität und höhere operative Flexibilität.

Minimierung der Feuchtelasten als Grundlage zur Senkung der Investitionskosten
Grundzusammenhang bei der Auslegung von Entfeuchtungssystemen: Größe und Kosten des Systems sind direkt proportional zur Feuchtelast. Eine Reduktion der Last um 50 % kann die Investitionskosten um 50–60 % senken. Daher sollten die Quellen der Feuchte zuerst adressiert werden.
Typische Hierarchie der Feuchtelasten in einem Industriegebäude:
- Offene Türen und Tore: 50–70 %
- Außenluftzufuhr: 15–30 %
- Infiltration durch Fugen/Leckagen: 5–15 %
- Förderband- und prozesstechnische Öffnungen: 3–8 %
- Atmung und Verdunstung durch Personen: 2–5 %
- Dampfdiffusion durch Gebäudehülle: 1–3 %
Betrachten wir ein Kühllager mit −18 °C. Bei der üblichen Praxis, Laderampen für jeden Ein-/Ausfahrzyklus 3 Minuten zu öffnen (15 Zyklen pro Stunde), entsteht eine Feuchtelast von 135 kg/h, wofür ein Entfeuchter mit einem Luftvolumenstrom von über 15 000 m³/h nötig wäre. Die Verkürzung der Öffnungszeit auf 1 Minute senkt die Last auf etwa 20 kg/h (Volumenstrom 2 500 m³/h) – eine Reduktion um 85 %, wodurch ein sechsmal kleinerer und günstigerer Entfeuchter eingesetzt werden kann.
Methoden zur Reduzierung der Tür-/Tor-bedingten Lasten umfassen:
- Schnelllauf-Rolltore (Öffnungszeit unter 3 s) – Reduktion um 40–60 %
- Luftschleier (Strömungsgeschwindigkeit 8–12 m/s) – Reduktion um 30–50 %
- Schleusen/Vestibüle (Volumen 15–30 m³) – Reduktion um 60–80 %
- PVC-Streifenvorhänge – Reduktion um 20–40 %
Infiltration durch Fugen ist deutlich relevanter als Dampfdiffusion. Beispielsweise lässt ein Spalt von 1,5 mm Breite und 1 m Länge bei 10 Pa Druckdifferenz etwa 50 g/h Feuchte durch, während 50 m² gestrichene Betonwand (200 mm) nur 5–8 g/h zulassen.
Optimierung von Regelgrößen und Toleranzen
Die Kosten eines Entfeuchtungssystems steigen exponentiell mit sinkendem Taupunkt. Bei einer internen Feuchtelast von 5 kg/h Wasserdampf ist zur Einhaltung eines Taupunkts von +5 °C (Feuchtegehalt 5,4 g/kg) ein Luftvolumenstrom von ca. 1 200 m³/h erforderlich. Für −10 °C (Feuchtegehalt 1,8 g/kg) werden bereits 3 500 m³/h benötigt, und für −25 °C (Feuchtegehalt 0,5 g/kg) mehr als 12 000 m³/h. Das heißt, bei einer Absenkung des Taupunkts um 30 K steigt der Luftvolumenstrom um den Faktor 10.
Daher ist es wichtig, den Grundsatz „ausreichend trocken“ festzulegen – das minimal erforderliche Feuchteniveau, das das Prozessergebnis ohne übermäßige Sicherheitsmargen gewährleistet.
Ein ernstes Problem ist die Uneindeutigkeit von Spezifikationen. Wenn z. B. ein Feuchtegehalt von 2 g/kg ±0,7 g/kg gefordert wird, ohne den Messort zu definieren, sind unterschiedliche Interpretationen möglich. Eine Regelung direkt am Diffusorauslass erfordert einen Entfeuchter mit 10 kg/h Leistung, während die Forderung nach Gleichmäßigkeit des Feuchtegehalts im gesamten Raumvolumen von 500 m³ mit einer maximalen Abweichung von 0,7 g/kg zwischen beliebigen Punkten ein System mit 8 000–10 000 m³/h und 25–30 kg/h nötig macht.

Vortrocknung der Zuluft
Außenluft ist oft die dominante Feuchtequelle. In einem typischen Industriebereich mit einem Zieltaupunkt von −10 °C und einer Lüftung von 2 000 m³/h führt die Zuluft unter Sommerbedingungen (30 °C, 18 g/kg) etwa 43 kg/h Feuchte zu, was 70–90 % der Gesamtlast ausmachen kann.
Eine wirksame Strategie ist die tiefe Trocknung der Außenluft vor der Mischung mit Umluft. Wird Außenluft mit 32 °C und 21 g/kg mittels Adsorption auf 1 g/kg getrocknet, erhält jedes Kilogramm trockene Luft eine Entfeuchtungskapazität von 20 g. Bei 1 000 m³/h (Luftdichte 1,15 kg/m³) lassen sich damit bis zu 23 kg/h interner Feuchte abführen, ausreichend für einen Raum von 500–800 m².
Einschränkung: Die interne Last darf die Entfeuchtungskapazität des Zuluftstroms nicht übersteigen. Zugleich ist die Strategie besonders effektiv für Reinräume mit hoher Luftwechselrate (20–60 h⁻¹).
Kombinierte Systeme aus Kälte- und adsorptiver Entfeuchtung
Die optimale Wahl der Entfeuchtungstechnologie folgt dem Prinzip der lastabhängigen Effizienz: kältebasierte (kondensierende) Entfeuchtung ist wirtschaftlich bei Taupunkten über +8…+12 °C (Feuchtegehalt über 6–8 g/kg), adsorptive (Desiccant-) Entfeuchtung bei niedrigeren Werten.
Der physikalische Grund liegt darin, dass der Verdampfer einer Kälteanlage bei niedrigen Taupunkten mit +2…+5 °C arbeitet, mit einem COP von nur 2,0–2,5 und Vereisungsrisiko, was Abtauzyklen erfordert. Adsorbentien haben diese Temperaturgrenzen nicht; ihre Effizienz steigt bei tieferer Trocknung sogar an.

Kombisysteme ermöglichen eine deutliche Optimierung der Investitionskosten. Richtig ausgelegt können sie 25–40 % günstiger in der Anschaffung und 20–35 % wirtschaftlicher im Betrieb sein als Ein-Technologie-Lösungen für Taupunkte im Bereich von −5…−20 °C.
Typische Planungsfehler und ihre wirtschaftlichen Folgen
Die häufigsten Fehler, die zu überhöhten Investitionskosten führen:
- Überdimensionierung (50–100 %) – führt dazu, dass die Anlage meist mit 30–50 % Last arbeitet, mit einem um 20–30 % niedrigeren COP und 40–80 % höheren Investitionskosten.
- Betriebliche Faktoren ignorieren – die Auslegung anhand der aktuellen Tür-/Torpraxis ohne Optimierungsversuch kann die Last um 50–200 % überschätzen.
- Überzogene Taupunktspezifikation – −40 °C zu verlangen, wenn −25 °C technisch ausreichen, verdoppelt bis verdreifacht die Systemkosten.
- Enge Toleranzen ohne Prozessbegründung – ±0,3 g/kg statt ±1,0 g/kg kann den Luftvolumenstrom und die Systemkosten verdoppeln.
- Falsche Technologieauswahl – ausschließlich adsorptive Trocknung für +5 °C Taupunkt, wo kältebasiert 40 % günstiger wäre.
Betriebliche und organisatorische Faktoren
Das Management von Tür- und Toröffnungen ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Senkung der Investitionskosten. Empfehlenswert sind Vorgaben für das Personal: Schließen binnen 60 Sekunden nach Fahrzeugdurchfahrt, optisches Signal nach 30 Sekunden und akustisches nach 60 Sekunden nach Öffnung.
Die Auslegung von Schleusen (Airlocks) mit 20–40 m³ Volumen und der Regel, dass eine Tür erst öffnet, wenn die andere geschlossen ist, reduziert die Feuchtelast um 60–80 %. Automatische Schnelllauftore mit Öffnungs-/Schließzeit unter 2–3 Sekunden und Sicherheits-Lichtschranken senken die Last ebenfalls deutlich.

Häufige Fragen (FAQ)
Wovon hängen die Investitionskosten einer Entfeuchtungsanlage am stärksten ab?
Die Investitionskosten werden im Wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: der Feuchtelast (kg/h) und dem Zieltaupunkt (°C). Eine Reduktion der Feuchtelast um 50 % kann die CAPEX um 40–60 % senken. Beim Taupunkt kann die Absenkung des Zielwerts von +5 °C auf −25 °C die Systemkosten um das 5- bis 10-Fache erhöhen, da der erforderliche Luftvolumenstrom und die Antriebsleistung exponentiell steigen.
Wie entscheidet man, ob die Abdichtung des Raums oder ein leistungsstärkerer Entfeuchter wirtschaftlicher ist?
Vergleichen Sie die einmaligen Abdichtungskosten mit den Investitions- plus Betriebskosten eines größeren Entfeuchters über 3–5 Jahre. Beispiel: Die Abdichtung eines 500-m²-Raums mit Silikon-Dichtstoffen (5–10 €/Kartusche), aluminiumbeschichtetem Folienklebeband (2–5 €/m) und Dichtmanschetten (10–30 €/Stück) kann 1 500–3 000 € kosten, senkt die Feuchtelast jedoch um 10–20 %, was bis zu 15 000 € an Investitionskosten und bis zu 5 000 € jährlich an Betriebskosten einsparen kann.
Fazit
Die Optimierung der Investitionskosten für Entfeuchtungssysteme erfolgt in drei Schritten:
- Reduktion der Feuchtelast durch Abdichtung und Tür-/Tormanagement
- Optimierung des Feuchteregelniveaus auf das minimal Erforderliche
- Auswahl der optimalen Kombination der Entfeuchtungstechnologien
Vor der Planung sollte sich der Ingenieur fünf Kernfragen stellen: Wie hoch ist die reale (nicht überhöhte) Last, welches ist das minimal zulässige Feuchteniveau für den Prozess, lässt sich die Last durch organisatorische Maßnahmen senken, wie teuer ist die Regenerationswärme für das Adsorbens, gibt es verfügbare Abwärmequellen?
Merken Sie sich: Den größten wirtschaftlichen Effekt erzielen die einfachsten und günstigsten Maßnahmen (Fugen abdichten, Personalvorgaben), während teure Materialien und übermäßige Automatisierung den geringsten Zusatznutzen bringen. Der Dialog zwischen Planer, Auftraggeber und Betriebspersonal ist entscheidend für eine realistische Lastabschätzung und eine optimale Auslegung.