Autor: Technische Abteilung Mycond
Einleitung: Folgen einer unvollständigen Erfassung von Feuchtequellen
Die Planung von Klima- und Entfeuchtungssystemen erfordert eine präzise Bewertung aller Feuchtequellen im Raum. Ein typischer Planungsfehler besteht jedoch darin, nur 1–2 Hauptquellen des Feuchteeintrags zu berücksichtigen und die übrigen vollständig zu ignorieren. Dies führt zu erheblichen technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen: Kondensatbildung auf kalten Oberflächen, Korrosion von Metallkonstruktionen und Anlagen, übermäßiger Energieverbrauch zur Aufrechterhaltung der Parameter, vorzeitiger Verschleiß der Ausrüstung sowie Schimmelbildung.
Die Unterschätzung des Feuchteeintrags bei der Planung von Entfeuchtungssystemen führt zu einer chronischen Überschreitung der projektierten Feuchtewerte, was die Lebensdauer von Baukonstruktionen und technischer Ausrüstung um 30–50 % verkürzt. Um diese Probleme zu vermeiden, müssen alle sieben Hauptkategorien von Feuchtequellen berücksichtigt werden, die wir in diesem Artikel detailliert betrachten.

Physikalische Grundlagen der Massenübertragung von Wasserdampf
Für eine korrekte Berechnung des Feuchteeintrags ist es wichtig, die psychrometrischen Luftparameter und die physikalischen Grundlagen der Massenübertragung von Wasserdampf in Gebäuden zu verstehen. Zu den Schlüsselparametern zählen:
- Feuchtegehalt der Luft (d) — die Masse an Wasserdampf in Gramm je Kilogramm trockener Luft (g/kg)
- Relative Luftfeuchte (φ) — das Verhältnis des partiellen Wasserdampfdrucks zum Sättigungsdampfdruck bei gegebener Temperatur, in Prozent
- Taupunkttemperatur — die Temperatur, bei der die Luft den Sättigungszustand mit Wasserdampf erreicht (100 % relative Luftfeuchte)
Die treibenden Kräfte des Feuchtetransports sind die Differenz im Feuchtegehalt oder in den partiellen Wasserdampfdrucken, der Temperaturgradient sowie die Luftgeschwindigkeit. Die Intensität der Massenübertragung hängt stark von der Temperatur ab — mit jeder Erhöhung um 10 °C verdoppelt sich die Fähigkeit der Luft, Feuchtigkeit zu halten, ungefähr.
Quelle 1: Infiltration feuchter Luft durch die Gebäudehülle
Der Mechanismus der Infiltration feuchter Außenluft durch die Gebäudehülle besteht im Eindringen der Außenluft durch Fugen, Undichtigkeiten und unisolierte Öffnungen in Baukonstruktionen. Besonders ausgeprägt ist die Infiltration in einem feuchten Sommerklima, wenn der Feuchtegehalt der Außenluft den Feuchtegehalt der Innenluft deutlich übersteigt.
Die Berechnungsmethodik für den Feuchteeintrag durch Infiltration basiert auf der Bestimmung des Massenstroms der infiltrierenden Luft und der Differenz des Feuchtegehalts von Außen- und Innenluft:
G(Feuchte) = G(Luft) × (d(Außen) - d(Innen))
wobei G(Feuchte) — die mit der Infiltration eingetragene Feuchtemenge (g/h), G(Luft) — der Massenstrom der infiltrierenden Luft (kg/h), d(Außen) und d(Innen) — der Feuchtegehalt der Außen- bzw. Innenluft (g/kg).
Die Infiltrationsintensität hängt von Winddruck, Temperaturdifferenz (Kamineffekt) und der Dichtheitsklasse des Gebäudes ab. In feuchtem Sommerklima kann die Infiltration 40–60 % des gesamten Feuchteeintrags ausmachen, während dieser Anteil in dichten Gebäuden mit modernen Fenstern auf 5–15 % sinkt.
Quelle 2: Feuchteabgabe durch Personen
Der physiologische Mechanismus der Feuchteabgabe durch Menschen umfasst zwei Prozesse: Atmung, bei der gesättigte, etwa 37 °C warme Luft ausgeatmet wird, und Schwitzen als Hauptmechanismus der Thermoregulation.
Normative Feuchteabgabewerte von Personen hängen von vielen Faktoren ab:
- Körperliche Aktivität — vom Ruhezustand bis zu intensiver körperlicher Belastung
- Raumtemperatur — bei höherer Temperatur nimmt das Schwitzen zu
- Bekleidungsart — warme Kleidung verstärkt die Schweißabgabe
Die Berechnungsmethodik der Feuchteabgabe für verschiedene Raumtypen sieht die Verwendung spezifischer Feuchteabgaben pro Person vor, die im Bereich von 40 bis 300 g/h variieren:
- Büros, Wohnräume (geringe Aktivität) — 40–60 g/h pro Person
- Verkaufsflächen (mäßige Aktivität) — 60–100 g/h pro Person
- Sporthallen (intensive Aktivität) — 150–300 g/h pro Person
Für eine genaue Berechnung sind die Art der Tätigkeit der Personen und die raumklimatischen Bedingungen des jeweiligen Objekts zu berücksichtigen.
Quelle 3: Geöffnete Türen, Tore, Laderampen
Der Mechanismus des Stoffaustauschs über geöffnete Türen, Tore und Laderampen umfasst freie Konvektion aufgrund von Dichteunterschieden der Luft sowie erzwungenen Luftaustausch, der durch die Bewegung von Personen und Fahrzeugen entsteht. Besonders relevant ist der Feuchteeintrag durch geöffnete Türen in feuchtem Klima, wenn die Außenluft mehr Feuchte enthält als die Innenluft.
Die Bewertung des Feuchteeintrags durch geöffnete Türen basiert auf der Bestimmung des pro Öffnung eindringenden Luftvolumens, der Differenz des Feuchtegehalts und der Öffnungsfrequenz:
G(Feuchte) = V(Luft) × ρ(Luft) × (d(Außen) - d(Innen)) × N(Öffnungen)
wobei V(Luft) — das pro Öffnung eindringende Luftvolumen (m³), ρ(Luft) — die Luftdichte (kg/m³), N(Öffnungen) — die Anzahl der Öffnungen pro Stunde.
Bei Lagertoren mit einer Fläche von 10–20 m² und einer Öffnungsdauer von 2–5 Minuten kann die eingetragene Feuchtemenge beträchtlich sein — von einigen bis zu mehreren Dutzend Kilogramm pro Stunde, abhängig von der Differenz des Feuchtegehalts und der Öffnungshäufigkeit.

Quelle 4: Feuchte Waren und Materialien
Feuchteabgabe erfolgt von verschiedenen Produkten und Materialien:
- Lebensmittel: Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch
- Baustoffe: frischer Beton, Putz, Holz
- Textilien, Papier und andere hygroskopische Materialien
Methoden zur Abschätzung der Feuchteabgabe von Produkten und Materialien umfassen:
- Messung der Massenänderung des Produkts während der Lagerung
- Verwendung empirischer Feuchteabgabekoeffizienten
- Bewertung anhand der Kinetik des Trocknungsprozesses
Die Intensität der Feuchteabgabe von Produkten und Materialien hängt von der Lagertemperatur, der Anströmgeschwindigkeit der Luft und der Anfangsfeuchte des Produkts ab. Für Gemüselager, Kühlräume und Lager für Baustoffe sollte die Berechnung der Feuchteabgabe die Produktmasse, den Materialtyp und die Lagerbedingungen berücksichtigen. Beispielsweise können frische Gemüse 10–30 g Feuchte pro Kilogramm Produkt und Tag abgeben, während frisches Holz 1–5 g Feuchte pro Quadratmeter Oberfläche und Stunde abgeben kann.
Quelle 5: Offene Wasserflächen
Die Physik der Verdunstung von Wasserflächen basiert auf dem Prozess der Massenübertragung von Wasserdampf von der Wasseroberfläche in die Luft. Die Intensität der Verdunstung von offenen Wasserflächen wie Schwimmbecken, Behältern und technologischen Bädern hängt von mehreren Schlüsselparametern ab:
- Wassertemperatur
- Temperatur und Feuchte der Luft über der Oberfläche
- Luftgeschwindigkeit über der Wasseroberfläche
- Fläche der Wasseroberfläche
Zur Berechnung der Verdunstungsintensität werden empirische Formeln verwendet, die die Differenz der partiellen Wasserdampfdrucke berücksichtigen:
G(Verdunstung) = A × S × (P(Sättigung bei Wassertemperatur) - P(Dampf in der Luft))
wobei G(Verdunstung) — die verdunstete Feuchtemenge (kg/h), A — ein empirischer Koeffizient, der von der Luftgeschwindigkeit abhängt (kg/(m²·h·Pa)), S — die Wasseroberfläche (m²), P(Sättigung bei Wassertemperatur) und P(Dampf in der Luft) — die partiellen Drücke der Sättigung bei Wassertemperatur bzw. der tatsächliche Dampfdruck in der Luft (Pa).
Für Schwimmbecken mit einer Wassertemperatur von 26–30 °C kann die Verdunstungsintensität je nach Mikroklimabedingungen und Nutzungsaktivität zwischen 0,1 und 0,4 kg/m² pro Stunde liegen. Für industrielle galvanische Bäder mit erhöhter Temperatur kann dieser Wert 0,5–1,0 kg/m² pro Stunde erreichen.

Quellen 6 und 7: Zuluftlüftung und technologische Prozesse
Feuchteeintrag durch Zuluftlüftung entsteht, wenn Außenluft ohne ausreichende Aufbereitung (Entfeuchtung) in den Raum eingebracht wird. In diesem Fall gilt: Übersteigt der Feuchtegehalt der Außenluft den Feuchtegehalt der Innenluft, wird die Zuluft zu einer zusätzlichen Feuchtequelle.
Die Berechnung des Feuchteeintrags durch Zuluftlüftung erfolgt nach der Formel:
G(Feuchte) = G(Luft) × (d(Außen) - d(Innen))
wobei G(Feuchte) — die mit der Lüftung eingetragene Feuchtemenge (g/h), G(Luft) — der Massenstrom der Zuluft (kg/h).
Technologische Prozesse, die Feuchtequellen darstellen, umfassen:
- Reinigung/Waschen von Anlagen und Räumen
- Industrielles Waschen
- Trocknungsprozesse
- Kochen und Dämpfen
- Andere Prozesse mit Wasser und Dampf
Die Inventarisierung technologischer Feuchtequellen umfasst die Erstellung eines Verzeichnisses aller feuchten Prozesse, die Abschätzung des Wasser- bzw. Dampfverbrauchs für jeden Prozess und die Umrechnung in die Masse an Wasserdampf, die pro Zeiteinheit in den Raum gelangt. Bei Produktionsprozessen kann die Feuchteabgabe je nach Technologie von Dutzenden Gramm bis zu Dutzenden Kilogramm pro Stunde variieren.
Gesamter Feuchteeintrag: Berechnungsmethodik und typische Planungsfehler
Der Algorithmus zur Bestimmung des gesamten Feuchteeintrags umfasst die folgenden Schritte:
- Inventarisierung aller potenziellen Feuchtequellen im Objekt
- Berechnung des Feuchteeintrags aus jeder Quelle separat
- Summierung aller Komponenten unter Berücksichtigung ihrer Gleichzeitigkeit
- Zuschlag von 10–20 % für nicht berücksichtigte Faktoren
Typische Planungsfehler bei der Berechnung des Feuchteeintrags:
- Ignorieren der Infiltration, insbesondere in der warmen, feuchten Jahreszeit
- Verwendung veralteter Normwerte für die Feuchteabgabe von Personen
- Nichtberücksichtigung saisonaler Schwankungen des Feuchteeintrags
- Anwendung fixer Tabellenwerte ohne Bezug auf das konkrete Objekt
Die Methodik zur Berechnung des gesamten Feuchteeintrags kann unter folgenden Bedingungen unzureichend genau sein:
- Extreme klimatische Bedingungen (tropisches Klima, Küstenzonen mit 90–100 % relativer Feuchte)
- Komplexe technologische Prozesse mit instabiler Feuchteabgabe
- Objekte mit unregelmäßiger Nutzung
In solchen Fällen wird empfohlen, den tatsächlichen Feuchteeintrag im Betriebsstadium instrumentell zu überprüfen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen
Wie legt man die Priorität bei der Erfassung von Feuchtequellen fest?
Die Priorität bei der Erfassung von Feuchtequellen wird durch ihren relativen Beitrag zur Gesamtfeuchtebilanz bestimmt. Für die meisten Objekte empfiehlt es sich, mit der Analyse der einflussreichsten Quellen zu beginnen: Infiltration (in feuchtem Klima), offene Wasserflächen (bei Schwimmbädern), Personen (bei Räumen mit hoher Belegungsdichte) und technologische Prozesse (in der Produktion). Danach werden die übrigen Quellen betrachtet.
Kann man feste spezifische Feuchteeintragswerte aus Handbüchern verwenden?
Die Verwendung fester Tabellenwerte ist nur in frühen Planungsphasen zulässig. Für eine genaue Berechnung müssen die Handbuchdaten an die spezifischen Bedingungen des Objekts unter Berücksichtigung seiner Besonderheiten, des Betriebsregimes und der klimatischen Gegebenheiten angepasst werden. Die Abweichung der realen Feuchteeinträge von Tabellenwerten kann 30–50 % betragen.
Wie berücksichtigt man die saisonale Veränderung des Feuchteeintrags durch Infiltration?
Zur Berücksichtigung saisonaler Änderungen des Feuchteeintrags durch Infiltration ist der Jahresgang des Feuchtegehalts der Außenluft zu analysieren. In feuchten Klimazonen liegt das Maximum des Infiltrationsfeuchteeintrags in der warmen, feuchten Periode, wenn der Feuchtegehalt der Außenluft am höchsten ist. Es wird empfohlen, für 2–3 charakteristische Jahresperioden zu rechnen und beim Anlagenauswahl den ungünstigsten Fall zugrunde zu legen.
Ist eine Leistungsreserve der Geräte über den berechneten Feuchteeintrag hinaus erforderlich?
Ja, eine Leistungsreserve der Entfeuchtungsgeräte ist aus mehreren Gründen erforderlich:
- Unsicherheit einiger Eingangsdaten (±10–15 %)
- Mögliche Änderung des Betriebsregimes des Objekts in der Zukunft
- Natürliches Nachlassen der Geräteleistung im Laufe der Zeit
Die empfohlene Leistungsreserve beträgt je nach Objekttyp und Grad der Unsicherheit der Eingangsdaten 15–30 %.
Fazit
Die Genauigkeit der Berechnung des Feuchteeintrags ist die Grundlage für die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit von Klima- und Entfeuchtungssystemen. Die vollständige Erfassung aller Feuchtequellen ist entscheidend für eine wirksame Feuchtekontrolle in Gebäuden.
Schlüsselprinzipien des korrekten Ansatzes zur Berechnung des Feuchteeintrags:
- Ganzheitliche Erfassung aller sieben Kategorien von Feuchtequellen
- Anpassung der Berechnungen an das konkrete Objekt und dessen Spezifika
- Berücksichtigung der Saisonalität und der Dynamik der Feuchteänderungen
- Einsatz moderner Berechnungsmethoden und aktueller Daten
Empfehlungen für Planungsingenieure:
- Führen Sie eine detaillierte Inventarisierung aller potenziellen Feuchtequellen durch
- Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Tabellenwerte
- Planen Sie eine begründete Leistungsreserve der Geräte ein
- Vorgabe der Möglichkeit der instrumentellen Feuchtekontrolle im Betriebsstadium
Eine korrekte Berechnung des Feuchteeintrags gewährleistet nicht nur die Einhaltung optimaler Mikroklimaparameter, sondern garantiert auch die Wirtschaftlichkeit des Entfeuchtungssystems, verhindert übermäßigen Energieverbrauch sowie vorzeitigen Verschleiß von Ausrüstung und Baukonstruktionen.